Bauchschmerzen bei Kindern: Wenn der Bauch spricht

Aquarell eines Kindes mit Schultasche und Bauchschmerzen auf dem Weg zur Schule – Symbol für Stress, Unsicherheit und Hoffnung.

«Mir tut der Bauch weh.»

Kaum ein Satz begegnet mir in der Praxis häufiger. Kinder und Jugendliche jeden Alters klagen immer wieder über Bauchschmerzen – manchmal nur kurz, manchmal über Wochen oder sogar Monate hinweg.

Und das Wichtigste zuerst:

Bauchschmerzen sind echt.

Ein Kind bildet sich diese Schmerzen nicht ein. Auch wenn keine körperliche Ursache gefunden wird, sind die Beschwerden nicht gespielt oder «nur psychisch».

 

Zuerst körperliche Ursachen ausschliessen

Wiederkehrende Bauchschmerzen sollten insbesondere bei kleinen Kindern immer ärztlich abgeklärt werden.

Mögliche Ursachen können beispielsweise Verstopfung, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Infekte, Entzündungen oder auch Erkrankungen wie Zöliakie sein. Gerade Zöliakie zeigt sich bei Kindern nicht immer eindeutig und kann sich unter anderem durch Bauchschmerzen, Müdigkeit, Wachstumsauffälligkeiten oder Verdauungsbeschwerden bemerkbar machen.

Eine sorgfältige medizinische Abklärung ist deshalb ein wichtiger erster Schritt.

Wenn die Untersuchungen unauffällig sind

Viele Eltern berichten mir, dass bereits verschiedene Untersuchungen durchgeführt wurden und keine körperliche Ursache gefunden werden konnte.

Trotzdem hat das Kind weiterhin Bauchschmerzen.

Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind.

Körper und Gefühle stehen in engem Zusammenhang. Gerade Kinder drücken Belastungen oft über den Körper aus, weil ihnen die Worte für das, was sie beschäftigt, noch fehlen.

Warum reagiert ausgerechnet der Bauch?

Gehirn und Darm stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in engem Austausch. Dabei spielt unter anderem der Vagusnerv eine wichtige Rolle.

Wenn Kinder unter Stress stehen, sich Sorgen machen oder sich in einer neuen Situation unsicher fühlen, reagiert nicht nur das Gehirn. Auch die Verdauung kann davon beeinflusst werden.

Der Darm besitzt ein sehr komplexes Nervensystem und reagiert besonders sensibel auf Veränderungen im Nervensystem.

Die Folge können echte Beschwerden sein:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Erbrechen
  • Das Gefühl, nicht in den Kindergarten oder in die Schule gehen zu können

Der Körper versucht dabei nicht, Probleme zu machen. Er reagiert auf eine Belastung, die für das Kind gerade schwierig zu bewältigen ist.

Typische Situationen aus dem Praxisalltag

Besonders häufig begegnen mir Bauchschmerzen:

Oft erzählen Eltern, dass die Beschwerden am Wochenende deutlich geringer sind oder zu Hause rasch nachlassen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Ursache psychisch ist. Körperliche und emotionale Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und können zusammenwirken.

Wenn der Körper spricht

Viele Kinder können noch nicht genau benennen, was sie beschäftigt.

Sie sagen:

  • «Ich weiss nicht, warum mein Bauch weh tut.»
  • «Zu Hause ist es besser.»
  • «Ich möchte eigentlich gehen, aber mein Bauch macht nicht mit.»

Gerade bei Übergängen beobachte ich das häufig: beim Kindergarteneintritt, beim Schulstart, beim Klassenwechsel oder beim Übertritt in die Oberstufe.

Das Nervensystem muss sich an die neue Situation anpassen. Manche Kinder schaffen das scheinbar mühelos, andere reagieren mit Bauchschmerzen, Schlafproblemen, Kopfweh oder grosser Unruhe.

Was helfen kann

Je nach Kind braucht es unterschiedliche Unterstützung. Häufig geht es darum, dem Nervensystem wieder mehr Sicherheit zu vermitteln.

Die Atemübung 4 – 4 – 6 – 4

Diese Übung eignet sich bereits für viele Kindergarten- und Schulkinder.

  • 4 zählen und einatmen
  • 4 zählen und den Atem halten
  • 6 zählen und langsam ausatmen
  • 4 zählen und kurz warten

Viele Kinder zählen dabei mit den Fingern mit.

Die langsame Atmung kann dem Nervensystem helfen, wieder in einen ruhigeren Zustand zu kommen. Oft berichten Kinder, dass sich dadurch auch der Bauch etwas entspannt.

Gefühle ernst nehmen

Gut gemeinte Sätze wie:

«Du musst keine Angst haben.»

oder

«Es ist doch alles gut.»

helfen oft weniger als gedacht.

Hilfreicher kann sein:

«Ich sehe, dass dein Bauch gerade weh tut.»

«Das fühlt sich schwierig an.»

«Wir schauen gemeinsam, was dir helfen könnte.»

Kinder fühlen sich dadurch verstanden und müssen nicht zusätzlich gegen ihre Beschwerden ankämpfen.

Mein Blick als Kinesiologin

In der Praxis interessiert mich nicht nur, wo es weh tut.

Mich interessiert auch:

  • Wann treten die Beschwerden auf?
  • Was hat sich verändert?
  • Gibt es Druck, Sorgen oder Unsicherheiten?
  • Wann geht es dem Kind besser?
  • Welche Ressourcen bringt das Kind bereits mit?

Oft entstehen dadurch Zusammenhänge, die vorher nicht sichtbar waren.

Manchmal erzählt uns der Bauch etwas, was das Kind selbst noch nicht in Worte fassen kann.

Zum Schluss

Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Kindes- und Jugendalter. Manchmal steckt eine körperliche Ursache dahinter, manchmal spielen Stress, Veränderungen oder innere Belastungen eine Rolle – häufig ist es eine Kombination aus mehreren Faktoren.

Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen. Kinder und Jugendliche sollen mit ihren Beschwerden ernst genommen werden. Sie verdienen eine sorgfältige medizinische Abklärung, aber ebenso Erwachsene, die zuhören, Zusammenhänge erkennen und sie auf ihrem Weg begleiten.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weist darauf hin, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus gerückt ist. Psychisches Wohlbefinden ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheit und eine frühe Unterstützung kann dazu beitragen, Belastungen rechtzeitig zu erkennen und Kinder sowie Jugendliche in ihrer Entwicklung zu stärken.

Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG), «Kinder- und Jugendgesundheit in der Schweiz – Zahlen und Fakten».

Wurzelstark & Flügelmut ist mein persönlicher Leitsatz.

Ich wünsche mir, dass Kinder Wurzeln entwickeln dürfen, die ihnen Halt, Sicherheit und Vertrauen schenken. Und Flügel, die sie ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen – auch dann, wenn das Leben einmal herausfordernd wird.

Denn jedes Kind trägt bereits vieles in sich. Manchmal braucht es einfach jemanden, der hilft, diese Stärke wieder sichtbar zu machen.

Hat dein Kind immer wieder Bauchschmerzen vor der Schule oder in belastenden Situationen? Gemeinsam schauen wir, was hinter den Beschwerden stecken könnte und wie ich dein Kind individuell begleiten kann.

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