Spielen macht Kinder stark – Warum Spielen für die Entwicklung so wichtig ist
Warum Spielen viel mehr ist als Zeitvertreib
„Noch eine Runde!“
Vielleicht kennst du diesen Satz.
Dein Kind möchte das Spiel unbedingt fertig spielen. Es freut sich riesig, wenn es gewinnt, ärgert sich, wenn es verliert und möchte am liebsten gleich nochmals beginnen.
Für viele Erwachsene ist das einfach ein gemütlicher Spielenachmittag.
Tatsächlich passiert dabei viel mehr.
Beim Spielen entwickeln Kinder wichtige Fähigkeiten für ihre Entwicklung. Sie lernen zu warten, Regeln einzuhalten, mit Frust umzugehen, Lösungen zu finden und sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Ganz nebenbei entwickelt sich dabei auch ihr Gehirn weiter – und sie üben Fähigkeiten, die sie später in der Schule, im Familienalltag und sogar im Umgang mit digitalen Medien jeden Tag brauchen.
Spielen ist deshalb weit mehr als Unterhaltung. Es gehört zu den wichtigsten Möglichkeiten, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten.
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Warum Spielen für die Entwicklung deines Kindes so wichtig ist
Kinder lernen nicht nur am Tisch oder mit Arbeitsblättern. Sie lernen vor allem durch eigenes Erleben.
Beim Spielen dürfen sie ausprobieren, Fehler machen, lachen, verlieren und wieder neu beginnen. Niemand erwartet Perfektion. Genau deshalb trauen sich Kinder oft mehr zu.
Dabei entwickeln sie ganz selbstverständlich wichtige Fähigkeiten. Sie lernen,
- geduldig zu warten,
- Regeln einzuhalten,
- sich zu konzentrieren,
- Lösungen zu finden,
- flexibel umzudenken,
- mit Enttäuschungen umzugehen,
- Rücksicht auf andere zu nehmen.
Für Kinder fühlt sich das nicht nach Lernen an. Sie spielen einfach – und genau das macht Spielen so wertvoll.
Was passiert dabei eigentlich im Gehirn?
Viele dieser Fähigkeiten werden unter dem Begriff exekutive Funktionen zusammengefasst.
Sie helfen Kindern dabei,
- ihr Verhalten zu steuern,
- aufmerksam zu bleiben,
- Impulse zu kontrollieren,
- Gefühle zu regulieren,
- vorauszuplanen,
- Probleme zu lösen.
Bei diesen Fähigkeiten spielt unter anderem der präfrontale Kortex – ein Bereich im vorderen Teil des Gehirns – eine wichtige Rolle. Er arbeitet dabei mit verschiedenen anderen Hirnregionen zusammen.
Diese Netzwerke entwickeln sich während der Kindheit und Jugend weiter. Vereinfacht kann man sich das so vorstellen: Manche Fähigkeiten wie Impulskontrolle, Planung oder Selbstregulation stehen Kindern noch nicht gleich zuverlässig zur Verfügung wie Erwachsenen.
Deshalb fällt es Kindern manchmal noch schwer,
- geduldig zu warten,
- nach einer Niederlage ruhig zu bleiben,
- sich selbst zu organisieren,
- Hausaufgaben zu planen,
- oder den Fernseher freiwillig auszuschalten.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Kinder nicht wollen.
Oft sind Fähigkeiten wie Impulskontrolle, Planung und Selbstregulation schlicht noch in Entwicklung.
Spielen unterstützt die Entwicklung des Gehirns
Genau diese exekutiven Funktionen helfen Kindern später beim Lernen, bei Hausaufgaben und im Alltag.
Die gute Nachricht ist: Genau diese Fähigkeiten können Kinder jeden Tag üben.
Nicht durch zusätzlichen Leistungsdruck.
Sondern beim gemeinsamen Spielen.
Je nach Spiel werden unterschiedliche Fähigkeiten gefordert. Mal braucht es Geduld, mal Konzentration, mal Strategie, mal Flexibilität oder Frustrationstoleranz.
Kinder erleben dabei ganz selbstverständlich:
- dass Regeln wichtig sind,
- dass Fehler dazugehören,
- dass man verlieren und trotzdem weiterspielen kann,
- dass manchmal eine neue Idee zum Ziel führt,
- und dass gemeinsames Lachen oft wichtiger ist als das Gewinnen.
Spielen ersetzt die natürliche Reifung des Gehirns nicht. Es bietet aber immer wieder wertvolle Gelegenheiten, genau diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Gemeinsames Spielen stärkt nicht nur die Entwicklung des Gehirns. Es hilft Kindern auch dabei, ihr Nervensystem zu regulieren und Sicherheit in der Beziehung zu ihren Bezugspersonen zu erleben.
Spielen stärkt nicht nur das Gehirn
Wenn Familien gemeinsam spielen, passiert noch etwas anderes.
Kinder erleben Beziehung.
Sie lachen gemeinsam.
Sie fühlen sich gesehen.
Sie dürfen Fehler machen, ohne bewertet zu werden.
Gerade solche Momente helfen auch dem Nervensystem, Sicherheit zu erleben.
Ein Kind, das sich sicher fühlt, kann leichter lernen, Neues ausprobieren und mit Herausforderungen umgehen.
Deshalb geht es beim Spielen nicht nur darum, Fähigkeiten zu trainieren. Es geht auch darum, gemeinsame Zeit zu verbringen und Verbindung zu schaffen.
Warum Verlieren so wichtig ist
Viele Eltern möchten ihr Kind vor Enttäuschungen schützen.
Das ist verständlich.
Doch auch das Verlieren gehört zum Leben.
Beim Spielen können Kinder lernen, dass Enttäuschung zwar unangenehm ist, aber wieder vorbeigeht.
Mit einer verständnisvollen Begleitung entwickeln sie nach und nach die Fähigkeit,
- Frust auszuhalten,
- ihre Gefühle zu regulieren,
- weiterzumachen,
- und an sich selbst zu glauben.
Auch das ist eine wichtige Grundlage für Selbstvertrauen und Resilienz.
Spielen bereitet Kinder auf die Schule vor
Beim Gedanken an die Schule denken viele zuerst an Buchstaben oder Zahlen.
Mindestens genauso wichtig sind jedoch andere Fähigkeiten.
Ein Kind braucht unter anderem die Fähigkeit,
- aufmerksam zuzuhören,
- Anweisungen zu folgen,
- Probleme zu lösen,
- Fehler auszuhalten,
- sich selbst zu organisieren,
- mit anderen zusammenzuarbeiten.
Genau diese Grundlagen werden beim Spielen immer wieder gefordert – und zwar auf eine natürliche und freudvolle Weise.
Spiele fördern viele Fähigkeiten, die Kinder für den Kindergarten und die Schule brauchen.
Deshalb sind Gesellschaftsspiele, Bewegungsspiele und Rollenspiele eine wunderbare Vorbereitung auf den Kindergarten und die Schule.
Spielen hilft auch beim Umgang mit Bildschirmmedien
Vielleicht kennst du die Situation.
Der Fernseher soll ausgeschaltet werden.
Das Tablet muss weggelegt werden.
Oder das Computerspiel ist zu Ende.
Für viele Kinder ist genau das unglaublich schwierig.
Auch hier spielen die exekutiven Funktionen eine wichtige Rolle.
Ein Kind muss einen Impuls unterbrechen, eine Enttäuschung aushalten und bewusst eine Entscheidung treffen.
Genau diese Fähigkeiten werden beim gemeinsamen Spielen immer wieder gefordert.
Deshalb gehören für mich Bildschirmzeiten und gemeinsames Spielen zusammen.
👉 Mehr darüber erfährst du in meinem Ratgeber „Warum fällt es Kindern so schwer, Fernseher oder Computerspiele auszuschalten?“
Warum ich in meiner Praxis so oft Spiele empfehle
Viele Eltern sind überrascht, wenn sie nach einer Sitzung bei mir nicht nur Übungen, sondern auch Spielideen mit nach Hause bekommen.
Der Grund ist einfach.
Kinder lernen anders als Erwachsene.
Sie lernen am nachhaltigsten, wenn Lernen Freude macht.
Deshalb gehören Spiele seit vielen Jahren ganz selbstverständlich zu meiner Begleitung von Kindern.
Je nach Thema empfehle ich unterschiedliche Spiele – beispielsweise zur Förderung der Konzentration, der Impulskontrolle, der Frustrationstoleranz oder der Zusammenarbeit.
Immer wieder erzählen mir Eltern einige Wochen später, dass nicht nur ihr Kind Freude daran hat, sondern die ganze Familie wieder häufiger gemeinsam spielt.
Und genau das freut mich besonders.
Spielen darf wieder einen grösseren Platz bekommen
Unser Familienalltag ist oft voll.
Schule.
Hausaufgaben.
Hobbys.
Termine.
Und nicht selten bleibt das gemeinsame Spielen auf der Strecke.
Dabei braucht es oft gar keine aufwendigen Förderprogramme.
Manchmal reicht schon eine halbe Stunde gemeinsam am Küchentisch.
Ein Gesellschaftsspiel kann weit mehr sein als Unterhaltung.
Es kann Geduld fördern.
Selbstvertrauen wachsen lassen.
Das Miteinander stärken.
Und ganz nebenbei wichtige Fähigkeiten entwickeln, die Kinder ein Leben lang begleiten.
Mein Gedanke zum Schluss
Kinder müssen nicht jeden Tag gefördert werden.
Sie müssen nicht ständig etwas leisten.
Sie brauchen Erwachsene, die Zeit mit ihnen verbringen.
Die gemeinsam lachen.
Die Niederlagen begleiten.
Die Erfolge feiern.
Und die verstehen, dass in einem einfachen Spiel oft viel mehr steckt, als man auf den ersten Blick vermutet.
Vielleicht ist genau das auch eine schöne Erinnerung für uns Erwachsene: Kinder entwickeln sich nicht nur durch Förderprogramme oder Arbeitsblätter. Oft wachsen sie am meisten, wenn wir ihnen Zeit schenken, gemeinsam spielen und sie auf ihrem eigenen Weg begleiten.
Vielleicht ist Spielen deshalb gar keine Pause vom Lernen.
Vielleicht ist Spielen eine der schönsten Formen des Lernens überhaupt.
Häufige Fragen zum Thema Spielen
Welche Fähigkeiten werden beim Spielen gefördert?
Beim Spielen entwickeln Kinder viele Fähigkeiten, die sie im Alltag, im Kindergarten, in der Schule und später im Berufsleben brauchen. Welche besonders gefördert werden, hängt vom Alter des Kindes und vom jeweiligen Spiel ab.
Zu den wichtigsten gehören:
- Konzentration – sich über einen längeren Zeitraum auf eine Aufgabe einlassen.
- Aufmerksamkeit – genau hinschauen, zuhören und wichtige Informationen wahrnehmen.
- Impulskontrolle – warten, bis man an der Reihe ist, und nicht sofort handeln.
- Frustrationstoleranz – mit Niederlagen umgehen und trotzdem weitermachen.
- Selbstregulation – Gefühle wahrnehmen und angemessen darauf reagieren.
- Problemlösen – Strategien entwickeln und kreative Lösungen finden.
- Flexibles Denken – umdenken, wenn etwas nicht wie geplant funktioniert.
- Sozialkompetenz – zusammenarbeiten, Regeln einhalten und Rücksicht auf andere nehmen.
Das Besondere daran: Kinder erleben all das nicht als Übung. Sie spielen einfach – und genau deshalb lernen sie so viel dabei.
Warum sind Gesellschaftsspiele für Kinder wichtig?
Gesellschaftsspiele verbinden Lernen mit gemeinsamen Erlebnissen. Kinder üben dabei ganz selbstverständlich, sich an Regeln zu halten, abzuwarten, mit anderen zusammenzuarbeiten und auch einmal zu verlieren.
Gleichzeitig verbringen Familien bewusst Zeit miteinander. Gemeinsames Lachen, Gespräche und kleine Erfolgserlebnisse stärken nicht nur wichtige Fähigkeiten, sondern auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind.
Können Spiele die Konzentration fördern?
Ja. Viele Spiele fordern Kinder dazu auf, aufmerksam zu beobachten, Informationen im Kopf zu behalten oder sich über mehrere Minuten auf eine Aufgabe zu konzentrieren.
Je nach Spiel werden unterschiedliche Bereiche gefördert. Manche trainieren vor allem das Arbeitsgedächtnis, andere das genaue Beobachten oder das planvolle Vorgehen.
Wichtig ist jedoch: Spielen ersetzt keine Therapie oder gezielte Förderung. Es bietet Kindern aber viele wertvolle Gelegenheiten, ihre Konzentration im Alltag spielerisch weiterzuentwickeln.
Warum fällt es manchen Kindern so schwer zu verlieren?
Verlieren löst oft starke Gefühle aus – Enttäuschung, Wut oder Traurigkeit. Gerade jüngere Kinder lernen erst nach und nach, mit diesen Emotionen umzugehen.
Das hängt auch damit zusammen, dass sich ihr Gehirn noch entwickelt. Bereiche, die für die Impulskontrolle und die Regulation von Gefühlen wichtig sind, reifen erst im Laufe der Kindheit und Jugend vollständig aus.
Mit einer verständnisvollen Begleitung und vielen positiven Spielerfahrungen können Kinder Schritt für Schritt lernen, Niederlagen besser auszuhalten.
Fördern Spiele die exekutiven Funktionen?
Ja, viele Spiele bieten eine gute Gelegenheit, die sogenannten exekutiven Funktionen im Alltag zu üben.
Dazu gehören beispielsweise die Fähigkeit,
- Impulse zu kontrollieren,
- aufmerksam zu bleiben,
- vorauszuplanen,
- Probleme zu lösen,
- flexibel umzudenken,
- und das eigene Verhalten zu steuern.
Spielen ersetzt die natürliche Entwicklung des Gehirns nicht. Es schafft aber immer wieder Situationen, in denen Kinder genau diese Fähigkeiten anwenden und weiterentwickeln können.
Was ist wichtiger: freies Spielen oder Gesellschaftsspiele?
Beides ist wertvoll.
Beim freien Spielen können Kinder ihre Fantasie entfalten, eigene Ideen entwickeln und selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen möchten.
Gesellschaftsspiele bringen zusätzliche Erfahrungen mit sich. Kinder lernen Regeln einzuhalten, auf andere Rücksicht zu nehmen, gemeinsam Lösungen zu finden und mit Gewinnen oder Verlieren umzugehen.
Am meisten profitieren Kinder von einer guten Mischung aus beidem.
Wie oft sollte man mit seinem Kind spielen?
Es gibt keine feste Empfehlung, wie oft Familien gemeinsam spielen sollten.
Viel wichtiger als die Dauer ist die gemeinsame Zeit. Schon 20 bis 30 Minuten ohne Ablenkung können für ein Kind sehr wertvoll sein.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Spiele zu spielen oder etwas zu leisten. Entscheidend ist die gemeinsame Freude, das Miteinander und die ungeteilte Aufmerksamkeit.
Welche Spiele eignen sich besonders gut?
Das hängt vom Alter, den Interessen und den Stärken des Kindes ab.
Manche Spiele fördern besonders die Konzentration, andere die Impulskontrolle, das logische Denken oder die Frustrationstoleranz.
💚 In meinem kostenlosen Handout findest du über 30 ausgewählte Spiele mit einer Übersicht, welche Fähigkeiten sie besonders fördern. So kannst du leichter ein Spiel finden, das zu deinem Kind passt.
Interessiert dich auch, warum es Kindern oft schwerfällt, Fernseher oder Computerspiele auszuschalten? Dann lies auch meinen Ratgeber zum Thema Bildschirmmedien und Gehirnentwicklung.
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💚 Ich freue mich darauf, euch kennenzulernen.